Regiestunden abrechnen: So rechnest du Stundenlohnarbeiten sauber und ohne Streit ab
Regiestunden abrechnen sorgt in vielen Handwerksbetrieben regelmäßig für Ärger. Die Arbeit ist gemacht, die Rechnung geschrieben, und dann kommt der Anruf: "Acht Stunden für das bisschen? Das sehe ich nicht ein." Spätestens jetzt merkst du, wie wichtig es ist, Stundenlohnarbeiten vorher klar zu vereinbaren und sauber zu dokumentieren.
Regiearbeiten, auch Stundenlohnarbeiten genannt, sind Leistungen, die nicht zu einem festen Preis, sondern nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet werden. Das kommt im Handwerk ständig vor: Der Elektriker sucht einen Fehler in der Altbauverkabelung, der Sanitärinstallateur muss eine unerwartet verbaute Leitung umlegen, der Tischler passt eine Tür an, deren Zustand vorher niemand kannte. In solchen Fällen ist ein Festpreis kaum seriös möglich.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Regiestunden richtig vereinbarst, was auf einen Stundenlohnzettel gehört, welche Regeln die VOB/B dafür enthält und wie du Streit mit dem Kunden von vornherein vermeidest.
Was sind Regiestunden?
Bei Regiestunden bezahlt der Kunde die tatsächlich geleistete Arbeitszeit zu einem vereinbarten Stundensatz, meist zuzüglich Material. Anders als beim Einheitspreis (zum Beispiel pro Quadratmeter) oder beim Pauschalpreis trägt der Kunde dabei das Risiko, dass eine Arbeit länger dauert als gedacht.
Genau deshalb sind Kunden bei Stundenlohnarbeiten skeptisch. Sie können schlecht einschätzen, ob der Aufwand angemessen ist. Je transparenter du arbeitest, desto eher akzeptieren sie die Rechnung.
Typische Fälle für Regiearbeiten sind:
- Fehlersuche und Reparaturen, deren Umfang vorher unklar ist
- Kleine Zusatzarbeiten während eines laufenden Auftrags
- Arbeiten im Bestand, bei denen erst beim Öffnen sichtbar wird, was zu tun ist
- Abstimmungs- und Wartezeiten, wenn der Kunde sie ausdrücklich nach Aufwand bezahlen will
Regiestunden vorher vereinbaren
Der wichtigste Schritt passiert vor der Arbeit. Vereinbare mit dem Kunden klar, dass bestimmte Leistungen nach Stunden abgerechnet werden. Am besten schriftlich, zum Beispiel im Angebot oder per E-Mail. Halte dabei fest:
- Welche Arbeiten nach Stunden abgerechnet werden
- Den Stundensatz, getrennt nach Meister, Geselle oder Helfer, falls unterschiedlich
- Wie Material berechnet wird
- Ob Fahrtzeiten oder Anfahrtspauschalen dazukommen
- Wie die Stunden nachgewiesen werden, also mit Stundenlohnzetteln
Bei Verträgen nach VOB/B ist die vorherige Vereinbarung besonders wichtig. Dort werden Stundenlohnarbeiten grundsätzlich nur vergütet, wenn sie vor ihrem Beginn ausdrücklich als solche vereinbart wurden. Aber auch ohne VOB/B ersparst du dir mit einer klaren Absprache viel Ärger.
Wie du ein Angebot mit Stundenlohnpositionen aufbaust, zeigt dir der Artikel Angebot schreiben als Handwerker.
Eine geschätzte Stundenzahl hilft
Auch wenn du nach Aufwand abrechnest: Gib dem Kunden eine grobe Schätzung. "Wir rechnen mit etwa vier bis sechs Stunden" schafft Vertrauen. Wenn absehbar ist, dass es deutlich mehr wird, sag es dem Kunden rechtzeitig, bevor du weitermachst.
Stundenlohnzettel: Was draufgehört
Der Stundenlohnzettel ist dein Nachweis für die geleisteten Regiestunden. Er sollte so vollständig sein, dass der Kunde ihn ohne Rückfrage prüfen kann. Diese Angaben gehören drauf:
- Datum und Baustelle
- Name und gegebenenfalls Qualifikation der eingesetzten Personen
- Beginn, Ende und Pausen, daraus die geleisteten Stunden
- Genaue Beschreibung der Tätigkeit, zum Beispiel "Fehlersuche Stromkreis Küche, defekte Abzweigdose im Flur gefunden und erneuert"
- Verbrauchtes Material mit Menge und Einheit
- Eingesetzte Geräte oder Maschinen, falls gesondert berechnet
- Bestätigung des Kunden oder seines Vertreters
Je konkreter die Tätigkeit beschrieben ist, desto weniger Angriffsfläche bietet der Zettel. "Div. Arbeiten, 6 Std." ist das Gegenteil von dem, was du willst.
Stundenlohnzettel nach VOB/B
Wenn in deinem Vertrag die VOB/B wirksam vereinbart ist, regelt § 15 VOB/B die Stundenlohnarbeiten. Vereinfacht gesagt gilt dort:
- Die Ausführung von Stundenlohnarbeiten ist dem Auftraggeber vor Beginn anzuzeigen.
- Stundenlohnzettel sind, wenn nichts anderes vereinbart ist, je nach Verkehrssitte werktäglich oder wöchentlich einzureichen.
- Der Auftraggeber muss die bescheinigten Zettel unverzüglich, spätestens innerhalb von sechs Werktagen nach Zugang, zurückgeben. Einwendungen kann er dabei auf dem Zettel oder gesondert schriftlich erheben. Nicht fristgerecht zurückgegebene Zettel gelten als anerkannt.
Diese Regeln gelten nur, wenn die VOB/B tatsächlich Vertragsbestandteil ist. Bei Privatkunden ist das häufig nicht der Fall. Dann gilt das Werkvertragsrecht des BGB, und es kommt vor allem auf eure konkrete Vereinbarung an. Dieser Abschnitt ist eine vereinfachte Übersicht und keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem Vertrag hilft dir ein Anwalt oder deine Handwerkskammer weiter.

So vermeidest du Streit bei Regiestunden
Die meisten Konflikte entstehen nicht, weil der Kunde grundsätzlich nicht zahlen will, sondern weil er überrascht wird. Mit diesen Regeln reduzierst du das Risiko deutlich:
- Vorher vereinbaren. Keine Stundenlohnarbeit ohne klare Absprache.
- Zeitnah dokumentieren. Stunden am selben Tag aufschreiben, nicht am Monatsende aus dem Gedächtnis.
- Regelmäßig bestätigen lassen. Lass dir die Zettel zeitnah vom Kunden abzeichnen, zum Beispiel täglich oder wöchentlich. Ein Stapel unbestätigter Zettel am Ende ist eine Einladung zum Streit.
- Früh informieren. Wird es deutlich mehr als geschätzt, sprich es an, bevor du weitermachst.
- Fotos machen. Ein Bild vom Zustand vor und nach der Reparatur zeigt, warum der Aufwand nötig war. Wie das gut gelingt, erklärt der Artikel Baustellendokumentation mit Fotos.
- Zeitnah abrechnen. Je länger die Arbeit zurückliegt, desto schlechter erinnert sich der Kunde.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Sanitärinstallateur soll im Altbau einen Waschtisch tauschen. Beim Abbau zeigt sich, dass das Abflussrohr in der Wand marode ist. Er ruft den Kunden an, erklärt die Lage, schickt zwei Fotos per WhatsApp und vereinbart, dass das Rohr nach Aufwand zum vereinbarten Stundensatz erneuert wird. Er erfasst die Zeit separat, notiert das Material und lässt sich die Stunden am Abend bestätigen. Diese Rechnung wird kaum jemand anzweifeln.
Für deinen Stundenzettel im Alltag findest du weitere Tipps im Ratgeber Stundenzettel für Handwerker. Gewerkespezifische Infos gibt es auf den Seiten Handwerker-App für Elektriker und Handwerker-App für Sanitär und Heizung.
Fazit: Transparenz macht Regiestunden bezahlbar
Regiestunden abrechnen funktioniert ohne Streit, wenn du sie vorher klar vereinbarst, Stundenlohnzettel vollständig und zeitnah führst und sie regelmäßig bestätigen lässt. Bei VOB/B-Verträgen gelten zusätzlich die Regeln aus § 15 VOB/B. Wenn du deine Stunden direkt auf der Baustelle erfassen willst, statt Zettel zu sammeln, lade dir die kostenlose App BauTano für iPhone oder Android herunter.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Regiestunden und Stundenlohnarbeiten?
In der Praxis meinen beide Begriffe dasselbe: Arbeiten, die nach tatsächlichem Zeitaufwand und nicht zu einem festen Preis abgerechnet werden. In der VOB/B ist von Stundenlohnarbeiten die Rede.
Muss der Kunde den Stundenlohnzettel unterschreiben?
Eine Unterschrift ist nicht in jedem Fall vorgeschrieben, aber sehr empfehlenswert. Sie zeigt, dass der Kunde die Stunden bestätigt hat. Bei VOB/B-Verträgen gibt es konkrete Regeln zur Rückgabe und Bestätigung der Zettel.
Kann ich Regiestunden abrechnen, wenn sie nicht vereinbart waren?
Das ist schwierig. Bei VOB/B-Verträgen werden Stundenlohnarbeiten grundsätzlich nur vergütet, wenn sie vorher ausdrücklich vereinbart wurden. Auch bei BGB-Verträgen wird es ohne Absprache schwierig, vor allem wenn ein Festpreis vereinbart war. Ob du Mehraufwand trotzdem berechnen kannst, hängt vom Einzelfall ab. Kläre Stundenlohnarbeiten deshalb immer vor Beginn.
Wie oft sollte ich Stundenlohnzettel einreichen?
Bei VOB/B-Verträgen je nach Verkehrssitte werktäglich oder wöchentlich. Auch ohne VOB/B ist ein regelmäßiger Rhythmus sinnvoll, damit Kunde und Betrieb den Überblick behalten und Einwände früh auf den Tisch kommen.